Archiv der Kategorie 'Antira'

„Kryptoasylanten“

In „Denunzieren, was deutsch ist“ zeigt der Blog Cosmoproletarian Solidarity die Folgen der Abschottungspolitik Europas, was Oskar Lafontaine dazu sagt und stellt die berechtigte Frage, wieso eigentlich „von den griechischen Häfen keine Solidaritätsflottillen ab[legen], um Flüchtlinge zu retten und die Grenzschergen zu düpieren“.

Die letzten ersten Menschen

Der kommende Samstag, 10.7.2010, ist ein besonderer Tag. Der Zoo Eberswalde „weckt die Löwen“ und zeigt die Besonderheiten einer bedrohten Art aus Namibia: die San – „die vom Aussterben bedrohten letzten ersten Menschen“

What the fuck? Will der Zoo Eberswalde hier an die Hagenbeck`sche Tradition der „Menschenzoos“ und „Völkerschauen“ anknüpfen, die bereits im 19. Jahrhundert den Europäer_innen „die Kultur Afrikas“ nahe bringen wollte?
Oder was denken sich die Betreiber_innen des Zoos und des „Freundeskreis Gesundheit für Omibil Berlin Brandenburg e.V.“, wenn sie folgendes in ihrer Broschüre nacheinander aufzählen und auszustellen planen:

• Erleben Sie die Tiere hautnah im besonderen Ambiente
• Lassen Sie sich von einzigartigen Lichteffekten faszinieren
• Entdecken Sie nachtaktive Tiere im Zoo bei einem individuellen nächtlichen Zoo-Rundgang
• Lernen macht Spaß – Angebote der Zooschule für die Jüngsten
• Erfreuen Sie sich an Informationen über Namibia und die San, die vom Aussterben bedrohten letzten ersten Menschen
• Bewundern und erwerben Sie die Schnitzereien, Flechtarbeiten und weiteres Kunsthandwerk, das von ihnen geschaffen wurde

Aber das ist noch nicht alles:
Diese Veranstaltung soll die Volksgruppe der San, den „letzten ersten Menschen“, durch Hilfe zur Selbsthilfe bei der sanften Integration in unsere moderne Zeit unterstützen“ heißt es weiter in der Broschüre. – Aha. Die San befinden sich also noch auf einer Art Vorstufe zum modernen Menschen und müssen quasi von uns (Eberswalder_innen?) unterstützt werden, um endlich auch mal in die moderne Zeit „integriert“ werden zu können. Bis jetzt sind sie ja quasi noch eine Evolutionsstufe hintendran. Dann wirds aber mal Zeit für einen kleinen Anstoß.

Obendrein wird dieser Tag, an dem „Gutes“ getan werden soll (Spenden!, Futtern!), zum besseren Einfühlen ins „afrikanische Lebensgefühl“ untermalt von dem, was so richtig „afrikanisch“ ist:

* afrikanisches Trommeln und Tanzen
* afrikanisches Schminken
* Blasrohrschießen

und natürlich: „afrikanisches“ Essen (hier: burische Wurst).

Da kommt Freude auf! Hier werden hunderte verschiedenster kultureller, klimatischer, geschichtlicher, kolonialer und sonstwas für Einflüsse auf Zusammenleben, Essen, Musik, Kunst etc. in einen Topf geschmissen und einmal gründlich mit dem Handmixer zermust. Heraus kommt das typisch „Afrikanische“ und – natürlich – auch das dazugehörige „Blasrohrschießen“ (das können die ja alle da unten). So werden rassistische Stereotype und Vorurteile kindgerecht aufbereitet. Bravo!

Und so wird einer/m endlich mal wieder der afrikanische Kontinent (reduziert auf Frisurmode, Essen und ein bisschen Handicrafts) und insbesondere Menschen aus Namibia „näher gebracht“ an einem Ort, an dem so etwas schon soooo lange nicht mehr sein durfte: dem Zoo. Eigentlich hätte es das auch nicht in Augsburg im Jahre 2005 geben dürfen. Doch die damalige Veranstalterin und Zoodirektorin des „african village“, Dr. Jantschke, trotzte damals mutig den etlichen internationalen Protesten, blieb bis zum Ende einsichstresistent und zog ihr Ding voll durch.

Herzlichen Glückwunsch, lieber Herr Zoodirektor, Bernd Hensch, und liebe Vorsitzende vom Freundeskreis, Dr. Frauke von Versen, dass auch Sie sich nicht beirren lassen von den doch eher unangenehmen Jahren des Kolonialismus und der deutschen Vergangenheit! Vielleicht können Sie sich in Sachen Dreistigkeit und Ignoranz noch ein paar Scheiben abschneiden von ihrer Augsburger Kollegin.

Mein Tipp: für zukünftige Zusammenarbeit auf allzu offensichtliche, rassistische Formulierungen verzichten und lieber modernisierte Varianten verwenden: „Ethnienschau im Zoo von Eberswalde“. Das klingt frisch und wird bestimmt das nächste große Ding.

Weitere fünf Jahre im Dschungelheim?

Öffentliche Sitzung des Flüchtlingsrats Brandenburg in Eberswalde

Der Kreis Barnim hat am 17. Mai dem Betreiber des Asylbewerberheims Althüttendorf den Zuschlag für weitere fünf Jahre erteilt. Damit wurden verfügt, dass Flüchtlinge im Landkreis Barnim weiterhin in einer Unterkunft untergebracht werden, die seit Jahren angesichts ihrer isolierten Lage und ihres desolaten Zustands in der Kritik steht.

Diese Entscheidung wird der Flüchtlingsrat Brandenburg am Mittwoch, 26. Mai, auf einer öffentlichen Sitzung diskutieren. Vor der Sitzung in Eberswalde war eine gemeinsame Begehung des Heims geplant, die der Betreiber, K & S aus Niedersachsen, zunächst genehmigte, dann aber doch verweigerte. Der Flüchtlingsrat schließt daraus, dass selbst der Betreiber die heruntergekommenen Baracken im Wald am Grimnitzsee für nicht präsentabel hält.

Zur Sitzung eingeladen sind alle Einrichtungen und Personen, die sich seit Jahren mit den Lebensbedingungen von Flüchtlingen im Kreis befassen, und Heimbewohner/innen aus Althüttendorf, die immer wieder die abgeschiedene Lage als Ausgrenzung und Isolation kritisiert haben.

Auf der Sitzung wird es um folgende Fragen gehen:

* Auf welcher Grundlage hat die Kreisverwaltung die Entscheidung getroffen?
* Wurden Betroffene gehört und welche Fachgremien wurden beteiligt?
* Wie können bei zukünftigen Entscheidungen soziale Qualitätskriterien stark gemacht werden? .
* Welche Auswirkungen hat die Art der Unterbringung auf die Teilhabe der Flüchtlinge am sozialen Leben und die Integrationsbereitschaft der Einheimischen?
* Wie können Stigmatisierungen zum Beispiel durch Gutscheineinkauf abgebaut werden?

Mittwoch, 26. Mai 2010
14:00 bis 17:00 Uhr
Studentenclub Eberswalde
Schicklerstr. 1

via Flüchtlingsrat Brandenburg