Archiv für Juli 2010

„Kryptoasylanten“

In „Denunzieren, was deutsch ist“ zeigt der Blog Cosmoproletarian Solidarity die Folgen der Abschottungspolitik Europas, was Oskar Lafontaine dazu sagt und stellt die berechtigte Frage, wieso eigentlich „von den griechischen Häfen keine Solidaritätsflottillen ab[legen], um Flüchtlinge zu retten und die Grenzschergen zu düpieren“.

Links=Rechts=Totalitär?

Mittwoch | 14.7.2010 | 18.30 Uhr | Studiclub | Schicklerstraße 1 | 16225 Eberswalde

Vortrag und Diskussion im STUDICLUB mit INEX zu Extremismusformel und Totalitarismustheorien und deren Folgen für emanzipatorische Gesellschaftskritik

Der hysterische Diskurs über eine angebliche „linksextremistische Gefahr“, die Neuausrichtung der Förderprogramme gegen sogenannten „Extremismus“: Die politischen Folgen des Extremismusansatzes sind derzeit deutlich spürbar. Die Initiative gegen jeden Extremismusbegriff (INEX) kritisiert nicht nur die Gleichsetzung von „Rechts- und Linksextremismus“, sondern will gleich das ganze dahinterstehende Konzept verabschieden, das die Gesellschaft schematisch in eine demokratische Mitte und extreme Ränder einteilt. Der Vortrag stellt neben Geschichte, Konzept und Folgen der Extremismusformel auch dessen „große Schwester“ die Totalitarismustheorien vor. Diese haben im 20. Jahrhundert versucht, Phänomene wie Faschismus, Nationalsozialismus und Stalinismus unter ein Label zu fassen. Inwieweit haben sich diese Erklärungsversuche bewährt, welche Rolle und Funktionen spielen sie heute in Politik,Wissenschaft und den Erinnerungsdiskursen zur Wende und zur Wiedervereinigung? Gemeinsam wollen wir dann diskutieren, warum der Extremismusbegriff sich so großer Beliebtheit erfreut, welche Alternativen Begrifflichkeiten es gibt und wie eine linke Kritik an Stalinismus und DDR aussehen kann, die nicht auf eine Relativierung des Nationalsozialismus und auf Antikommunismus hinausläuft.

Beginn pünktlich (!) 18.30 Uhr

Schwarz, Rot, Geil!

No-go-area Deutschland: Fußball-WM-Special

Neonazi-Randale, Sachbeschädigungen, Körperverletzungen und drei Tote: so die Bilanz des „fröhlichen Partyotismus“ bis zum Aus der deutschen Nationalmannschaft im Halbfinale der Fußball-WM. Aus gegebenem Anlaß präsentiert KONKRET diese Spezialausgabe der Chronik aus dem ganz normalen „Fußball-Deutschland“.

Ein Überblick über Meldungen in der deutschen Presse nach der Niederlage der männlichen Fußballauswahl Deutschlands gegen Spanien.
(Quelle: konkret)

Und noch ein Erlebnisberichtaus Münster ebenfalls mit kleinem Presseauszug, schön übersichtlich nach Städten geordnet.

Wenig Party, viel „Patriotismus“…

Die letzten ersten Menschen

Der kommende Samstag, 10.7.2010, ist ein besonderer Tag. Der Zoo Eberswalde „weckt die Löwen“ und zeigt die Besonderheiten einer bedrohten Art aus Namibia: die San – „die vom Aussterben bedrohten letzten ersten Menschen“

What the fuck? Will der Zoo Eberswalde hier an die Hagenbeck`sche Tradition der „Menschenzoos“ und „Völkerschauen“ anknüpfen, die bereits im 19. Jahrhundert den Europäer_innen „die Kultur Afrikas“ nahe bringen wollte?
Oder was denken sich die Betreiber_innen des Zoos und des „Freundeskreis Gesundheit für Omibil Berlin Brandenburg e.V.“, wenn sie folgendes in ihrer Broschüre nacheinander aufzählen und auszustellen planen:

• Erleben Sie die Tiere hautnah im besonderen Ambiente
• Lassen Sie sich von einzigartigen Lichteffekten faszinieren
• Entdecken Sie nachtaktive Tiere im Zoo bei einem individuellen nächtlichen Zoo-Rundgang
• Lernen macht Spaß – Angebote der Zooschule für die Jüngsten
• Erfreuen Sie sich an Informationen über Namibia und die San, die vom Aussterben bedrohten letzten ersten Menschen
• Bewundern und erwerben Sie die Schnitzereien, Flechtarbeiten und weiteres Kunsthandwerk, das von ihnen geschaffen wurde

Aber das ist noch nicht alles:
Diese Veranstaltung soll die Volksgruppe der San, den „letzten ersten Menschen“, durch Hilfe zur Selbsthilfe bei der sanften Integration in unsere moderne Zeit unterstützen“ heißt es weiter in der Broschüre. – Aha. Die San befinden sich also noch auf einer Art Vorstufe zum modernen Menschen und müssen quasi von uns (Eberswalder_innen?) unterstützt werden, um endlich auch mal in die moderne Zeit „integriert“ werden zu können. Bis jetzt sind sie ja quasi noch eine Evolutionsstufe hintendran. Dann wirds aber mal Zeit für einen kleinen Anstoß.

Obendrein wird dieser Tag, an dem „Gutes“ getan werden soll (Spenden!, Futtern!), zum besseren Einfühlen ins „afrikanische Lebensgefühl“ untermalt von dem, was so richtig „afrikanisch“ ist:

* afrikanisches Trommeln und Tanzen
* afrikanisches Schminken
* Blasrohrschießen

und natürlich: „afrikanisches“ Essen (hier: burische Wurst).

Da kommt Freude auf! Hier werden hunderte verschiedenster kultureller, klimatischer, geschichtlicher, kolonialer und sonstwas für Einflüsse auf Zusammenleben, Essen, Musik, Kunst etc. in einen Topf geschmissen und einmal gründlich mit dem Handmixer zermust. Heraus kommt das typisch „Afrikanische“ und – natürlich – auch das dazugehörige „Blasrohrschießen“ (das können die ja alle da unten). So werden rassistische Stereotype und Vorurteile kindgerecht aufbereitet. Bravo!

Und so wird einer/m endlich mal wieder der afrikanische Kontinent (reduziert auf Frisurmode, Essen und ein bisschen Handicrafts) und insbesondere Menschen aus Namibia „näher gebracht“ an einem Ort, an dem so etwas schon soooo lange nicht mehr sein durfte: dem Zoo. Eigentlich hätte es das auch nicht in Augsburg im Jahre 2005 geben dürfen. Doch die damalige Veranstalterin und Zoodirektorin des „african village“, Dr. Jantschke, trotzte damals mutig den etlichen internationalen Protesten, blieb bis zum Ende einsichstresistent und zog ihr Ding voll durch.

Herzlichen Glückwunsch, lieber Herr Zoodirektor, Bernd Hensch, und liebe Vorsitzende vom Freundeskreis, Dr. Frauke von Versen, dass auch Sie sich nicht beirren lassen von den doch eher unangenehmen Jahren des Kolonialismus und der deutschen Vergangenheit! Vielleicht können Sie sich in Sachen Dreistigkeit und Ignoranz noch ein paar Scheiben abschneiden von ihrer Augsburger Kollegin.

Mein Tipp: für zukünftige Zusammenarbeit auf allzu offensichtliche, rassistische Formulierungen verzichten und lieber modernisierte Varianten verwenden: „Ethnienschau im Zoo von Eberswalde“. Das klingt frisch und wird bestimmt das nächste große Ding.